Beim Kauf eines Hemdes haben Sie bisher wahrscheinlich nur auf Form und Farbe geachtet. Dabei ist die Webart eines Hemdes ebenfalls sehr wichtig. Sie bestimmt die Textur und die Schwere des Hemdes. Wir erklären die gängigsten Webarten und deren Unterschiede. Wann sollten Sie welche Webart tragen? Was gilt es bei den unterschiedlichen Webarten zu beachten?

Was sind Webarten?

Webarten entstehen durch die unterschiedliche Art und Weise, wie ein Garn in einem Webstuhl gewebt wird. Dabei gibt es (mindestens) zwei sogenannte Fadensysteme. Der Kettfaden „Kette“ wird mit dem Schussfaden „Schuss“ rechtwinklig gekreuzt. Das bedeutet: Der Kettfaden ist im Webstuhl aufgespannt. Zwischen diesen Kettfäden wird der Schussfaden hindurch gefädelt. Dadurch entsteht diese rechtwinklige Kreuzung.
Durch die Art, wie Kette und Schuss gekreuzt werden, entstehen unterschiedliche Webarten. Im Laufe der Zeit haben sich vielfältige Webarten entwickelt.

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Geschichte der Webarten

Das Weben gehört zu den ältesten Handwerken der Menschen. Bereits in ägyptischen Grabkammern lassen sich Gewebereste nachweisen. Bei den alten Griechen konkurrieren die schönsten Webarten sogar mit Kunstwerken, so die Überlieferungen!
Ab dem frühen Mittelalter entwickelten sich auch in Europa verschiedene Webarten. Ein neuer Industriezweig war geboren. Besonders in Augsburg, entwickelte sich in der Mitte des 15. Jahrhunderts eine Weberzunft. Diese setzte sich mit aller Art Gewebe und Webarten auseinander und entwickelte diese stetig weiter.

Die 3 Grundbindungen von Webarten

Es gibt drei verschiedene Grundbindungen in denen Stoffe gewebt werden können. Innerhalb dieser Grundbindungen entstehen die unterschiedlichen Webarten. Eine Grundbindung beschreibt, wie die einzelnen Kett- und Schussfäden miteinander verknüpft sind.

Grundbindung 1: Leinenbindung

Hier sieht Vorder- und Rückseite des Stoffes gleich aus. Dies ist die einfachste Verbindung zwischen zwei Garnen oder Fäden. Diese werden nur abwechselnd über- und untereinander gelegt.

Grundbindung 2: Körperbindung

Die zweite Stufe ist die Körperbindung. Hier sehen Vorder- und Rückseite des Stoffes unterschiedlich aus. Denn: hier läuft der Schussfaden erst über einen, anschließend über zwei Kettfäden hindurch. Dadurch entsteht ein (diagonales) Muster.

Grundbindung 3: Atlasbindung

Diese Bindung ist die Aufwändigste. Hier entsteht durch eine besondere Webart ein Stoff, dessen Vorderseite stark glänzt. Die Rückseite ist matt, die beiden Seiten sind hier also stark unterschiedlich. In dieser Grundbindung gibt es nicht viele verschiedene Abwandlungen. Deshalb wird auch oft von der Satinbindung gesprochen, dem typischen Ergebnis dieser Grundbindung.

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11 Unterschiedliche Webarten

Die Sleeve7 extra lange Hemden gibt es in 11 unterschiedlichen Webarten. Wir stellen euch die einzelnen Webarten vor und erklären, wie sie Zustandekommen und was sie bedeuten.

#1 Birdseye

Die Birdseye Webart hat ihren Namen aufgrund ihres Aussehens. Durch eine spezielle Technik entsteht ein Rautenförmiges Muster, in dem ein Punkt in der Mitte ist. Von Nahem betrachtet sieht die Birdseye Webart wie das Auge eines Vogels aus. Der gewebte Stoff ist sehr leicht und weich. Meist sind die Birdseye Hemden in mehreren Farben. So wird das besondere Muster gezeigt. Es gibt sie aber auch einfarbig.

#2 Chambray

Die Webart Chambray ist die englische Bezeichnung für einen relativ leichten Stoff. Dieser ist aus Baumwolle oder Leinen. Deshalb wird es auch oft als Baumwoll- oder Leinengewebe bezeichnet. Diese Webart hat einen farbigem Schuss in der Leinwandbindung. Das bedeutet: hier ist ein farbiges Garn mit einem weißen Garn verwebt. Die Hemden mit Chambray Webart sind deshalb häufig kariert oder gestreift, um das farbige Garn zu zeigen.

#3 Denim

Denim ist eine der kräftigsten und robustesten Webarten. Die besteht meist aus Baumwolle oder Viskose. Gewebt wird hier mit einem blauen Kettenfaden und einem weißen Schussfaden. Denim wird aufgrund seiner Robustheit häufig als Jeans Webart verwendet. Deshalb wird der Begriff im Alltagsgebrauch häufig mit der Jeans Hose gleichgesetzt und wird mit dem typischen blauen Look verknüpft. Häufig werden Denim Hemden also als „Jeans-Hemden“ bezeichnet.

#4 Dobby

Dobby ist eine Gruppe von Webarten. Die "Dobby"-Bindungen geben dem Stoff eine besondere Textur. Dies entsteht durch die komplexe Webart der Stoffe. Die Dobby Webarten haben meistens unterschiedliche Garngrößen und Webtechniken.
Daraus ergeben sich kleine Streifen auf einer geraden Bindung oder einem Zick-Zack Muster. Mit den Fingern lassen sich die Feinheiten der Dobby Webarten gut erfühlen.

#5 Heavy Twill

Die Twill Webart kann anhand ihrer diagonal verlaufenden Linien erkannt werden. Heavy Twill bedeutet, dass diese diagonalen Linien besonders deutlich zu sehen sind. Die Twill Webart lässt das Hemd besonders edel erscheinen und verleiht eine luxuriöse Anmutung. Die diagonalen Linien entstehen, indem der Schussfaden über mehrere Kettfäden gefädelt wird. Anschließend wird beim nächsten Schritt eine Reihe versetzt angefangen. Dadurch entsteht diese besondere diagonale Prägung dieser Webart.

#6 Jacquard

Jaquard ist eine der besondersten Webarten. In dieser Webart sind komplexe Muster und Designs möglich. Hier können auch die unterschiedlichsten Stoffe verwebt werden, wie Baumwolle, Seide oder Viskose. Kennzeichnend für diese Webart ist also die dekorativen Elemente, die in den Stoff eingearbeitet werden können.

#7 Oxford

Die Oxford Webart ist tatsächlich nach der britischen Stadt Oxford benannt. Diese Webart ist eine der einfachsten und festesten Webarten. Die Kett- und Schussfäden sind etwas stärker und werden in einer lockeren Bindung gewebt. Das macht die Oxford Hemden weich und strapazierfähig. Insgesamt gibt dies einen rustikalen Look. Es ist eine der belastbarsten Webarten, denn die Fäden werden auf unterschiedlichen Ebenen verwoben. Dadurch entsteht eine dichte und stark strukturierte Optik. Meistens werden die Oxford Hemden mit farbigen Fäden in der Kette und weißen Fäden im Schuss gewebt. So können die unterschiedlichsten Muster dieser Webart entstehen.

#8 Pied de Poule

Die Pied de Poule Webarten sind auch unter dem Namen “Hahnentritt-Muster” bekannt. Diese Webart kommt ursprünglich aus dem schottischen Tiefland. Sie hat eine charakteristische Maserung, die aussieht wie der Fußabdruck eines Hahns. Insgesamt ist dies ein sehr auffälliges Muster, das leicht wiedererkannt wird. Besonders in den 40ger und 50ger Jahren eroberte die Pied-de-Poule Webart die Laufstege der Welt und erfreut sich auch heute noch größter Beliebtheit.

#9 Popeline

Die Popeline Webart ist eine der gängigsten Webarten. Es entsteht durch einen extrem dicht eingestellten Ketten- und einen eher lockeren Schussfaden. So entstehen leichte Querrippen im Stoff. Durch diese Webart erhöht sich die Strapazierfähigkeit des Stoffes. Deshalb wird seit dem 20. Jahrhundert der Begriff Popeline für sehr dichtes Gewebe aus verschiedenen Garnen gleichgesetzt. Die Hemden dieser Webart zeichnen sich durch einen sehr angenehmen Tragekomfort aus. Insgesamt sind Popeline Hemden leichter als Oxford Hemden. Deshalb eignen sie sich hervorragend als Frühjahr- oder Sommerhemd.

#10 Satin

Die Stoffe, die im Satin oder Atlas Stil gewebt sind, haben einen sehr einzigartigen Look. Eine große Besonderheit dieser Webart ist die Zweiseitigkeit des Stoffes. Eine Seite des Stoffes ist dadurch besonders glatt. Dies führt zu einer sehr glänzenden Oberfläche. Diese Webart entsteht dadurch, dass Kett- und Schussfaden nicht wie normal abwechselnd, sondern in längeren Abständen übereinander gelegt werden. Insgesamt führt dies zu einem besonders weichen Abschluss. Diese Webart wird aufgrund seines sehr edlen Aussehens bei festlichen Anlässen getragen. Obwohl Satin aus beliebigen Fasern gewebt werden kann, werden endlose Fasern wie Seide, Viskose oder Polyester bevorzugt, da diese den Glanz der Webart zusätzlich steigern.

#11 Twill

Twill ist die englische Bezeichnung der „Körpergewebe“. Diese Webarten kennzeichnet die diagonal verlaufende Bindungsstruktur. Die typische Diagonalstruktur entsteht durch den Schussfaden. Abwechselnd läuft dieser zuerst unter einem Kettfaden und anschließend über 2 weitere Kettfäden. Die daraus resultierende leicht schimmernde Optik verleiht der Webart einen interessanten Akzent. Diese Struktur macht diese Webarten besonders resistent gegen Knitterfalten. Die Webart ist auch belastbarer als andere Webarten und zählt deshalb zu den wichtigsten Webarten überhaupt.

Welche Webarten werden zu welchen Anlässen getragen?

Es gibt keine richtigen Dress Code Regeln wann welche Webart getragen werden sollte. Entscheiden Sie je nach Anlass nach der Beschaffenheit und der Struktur des Hemdes. Zu feierlichen Anlässen können Sie gerne auf die feinen Satin oder Jaquard Webarten zurückgreifen. Je festlicher der Termin, desto aufwendiger kann also die Grundbindung gewählt werden.
Bei Pied de Poule Webart sollten Sie etwas vorsichtig sein. Tragen Sie zu geschäftlichen Anlässen eher Accessoires in dieser Webart. Zu viele Kleidungsstücke in dieser unruhigen Webart lenken in ihrem Outfit schnell von Ihnen ab.

Stoff

Webarten und Gewicht

Die unterschiedlichen Webarten wiegen selbstverständlich unterschiedlich viel. Birdseye, Chambray oder Popeline Hemden sind leichter als beispielsweise ein Hemd der Oxford Webart. Es empfiehlt sich deshalb diese eher im Sommer zu tragen. Ein durchschnittliches Hemd wiegt trocken etwa 200 Gramm.
Übrigens: das Gewicht eines Garns wird in Super Zahlen angegeben. Bei einem Super 100’s sollte also ein Faden von 100m Länge 1 Gramm wiegen. Jedoch ist diese Einheit nicht geschützt, somit kann nicht immer komplett darauf vertraut werden. Jedoch gilt: Je größer die Super Zahl, umso feiner, dünner und leichter ist das Garn.

Webarten

Webarten ergeben sich also aus der unterschiedlichen Art, wie Kett- und Schussfaden im Webstuhl miteinander gekreuzt werden. Dabei können die beiden Fäden in vielen verschiedenen Möglichkeiten über- und untereinander liegen. Die gängigste Webart ist meistens die Popeline Art. Je feiner und aufwendiger das Garn, desto feiner wird auch das Hemd.
Heutzutage wird natürlich nicht mehr auf einem Webstuhl gewebt. In großen Fabriken werden die Baumwollpflanzen zu Garn und Stoffen weiterverarbeitet. Somit können sämtliche Muster, Formen und Farben gewebt werden, und der Fantasie ist keine Grenze mehr gesetzt. Und sollte einmal eine Webart nicht das richtige Muster ergeben, kann dies immer noch im Nachhinein darauf gestickt oder genäht werden.